Bei der Standortsuche für eigenständige Batteriegroßspeicher (BESS) fällt häufig ein naheliegender, aber irreführender Reflex auf: Man sucht nach Flächen möglichst nah an bestehenden Mittelspannungs-Trafostationen, in der Annahme, das mache den Netzanschluss einfacher und günstiger. Das stimmt nur bedingt und kann sogar in die falsche Richtung führen.
Ein Cluster aus mehreren Trafostationen in einem begrenzten Gebiet ist ambivalent: Er kann auf gut ausgebaute, aufnahmefähige Infrastruktur hindeuten, oder genau das Gegenteil signalisieren, nämlich ein Gebiet, in dem das Netz bereits stark ausgelastet ist und deshalb viele kleinere Verknüpfungspunkte statt weniger großer Anschlüsse existieren. Ohne eine konkrete Anfrage beim Netzbetreiber lässt sich aus der reinen Standortdichte kein verlässliches Signal ableiten.
Batteriegroßspeicher im Megawatt-Bereich benötigen in aller Regel ohnehin einen eigenen Transformator, um an das Mittelspannungsnetz angeschlossen zu werden. Das bedeutet: Ein BESS-Standort ist nicht zwingend an die unmittelbare Nähe zu bestehenden Trafostationen gebunden. Entscheidend ist stattdessen die Frage, ob am relevanten Verknüpfungspunkt im vorgelagerten Netz tatsächlich freie Anschlusskapazität besteht.
Verfügbare Netzkapazität am Verknüpfungspunkt (verbindlich nur durch eine Netzanschlussanfrage beim zuständigen Betreiber zu klären), der tatsächliche Trassenverlauf statt der Luftlinie, ausreichender Flächenzuschnitt für Batteriecontainer und Sicherheitsabstände, genehmigungsrechtliche Privilegierung (etwa nach §35 BauGB) sowie der Ausgleichsflächenbedarf nach naturschutzrechtlicher Eingriffsregelung, der von Anfang an in die Wirtschaftlichkeitsrechnung gehört.
Fazit: Wer bei der BESS-Standortsuche allein auf die Kartennähe zu bestehenden Trafostationen schaut, trifft möglicherweise die falsche Auswahl. Entscheidend ist die tatsächlich relevante Kapazität am Netzverknüpfungspunkt, nicht die bloße Leitungsnähe.